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Blindenführhunde
Kulturgeschichte einer Partnerschaft
Detlef Berentzen
erschienen 2016
ISBN: 978-3-943999-91-4
Klappenbroschur mit Fadenheftung: 328 Seiten


Im Oktober 1916, noch mitten im ersten Weltkrieg, übergab der »Deutsche Verein für Sanitätshunde« im Großherzogtum Oldenburg den ersten systematisch ausgebildeten Führhund an den erblindeten Soldaten Paul Feyen, ...das wäre ein möglicher Anfang für die Kulturgeschichte des Blindenführhunds und seines Personals. Doch gibt es noch andere Anfänge, die im Laufe der vorausgehenden Jahrhunderte das Fundament für diese Premiere legten. Immerhin wurde der Hund schon früh zum Helfer dressiert, war gelehrig, anhänglich, der blinde Mensch konnte ihn auch ohne Zwinger, Hundeplatz, Profitrainerin oder Hundeflüsterer zumindest provisorisch und nach eigenem Gusto zum Führhund oder als Begleiter ausbilden.
Was 1916 in Oldenburg aus Not und Leid geboren wurde, provozierte in der Folge ständig neue Ausbildungskonzepte im militärischen wie im zivilen Bereich. In vielen Städten und Ländern entstanden neue Führhundschulen. Die Erziehung des Blindenführhunds geriet zu einem humanitären Unternehmen, dessen Geschichte bis heute sehr genau auch die bewegte Geschichte seiner Menschen spiegelt - Sitten, Gebräuche, Mentalitäten, Zivilisationsstandards schafften ständig neue Voraussetzungen für die Ausbildung von Dienst- und Assistenzhunden.
Der Blindenführhund bleibt interessant. Bis heute ist er Gegenstand von Literatur, Film, Kunst, Blogs und anderen Medien. Immer wieder ist da Staunen, was dieser Hund vermag oder auch Kritik an  den Standards seiner Ausbildung. Wie auch immer, der Führhund ist Teil unseres sozialen Lebens, zwar nicht immer und überall sichtbar, aber es gibt ihn, tausendfach.
»Wer nichts sieht, wird nicht gesehen / Wer nichts sieht, ist unsichtbar«, schrieb Erich Kästner 1931 in seinem Gedicht »Der Blinde an der Mauer«. Für Blinde, die mit einem Führhund unterwegs sind, hat diese Wahrheit keine Geltung mehr: Der Führhund macht sichtbar. Und er sieht. Für seinen Menschen - nicht umsonst nennt man den Führhund in den USA auch »Seeing Eye Dog«.
Wie und unter welchen Umständen der Blinde zunehmend auf den Hund kam, erzählt dieses Buch.

Ripperger&Kremers

"Blindenführhunde" (dpa)

"Blindenführhunde" (spiegel-online)

Leseprobe

Zur Geschichte der Blindenführhunde in Deutschland (SWR2/podcast)

TV-Reportage Blindenführhunde (TierZuliebe RBB)

 


Another Seeing Eye Dog

(...) Baynard Kendricks erster Kriminalroman mit blindem Detektiv und Führhund erscheint im Jahre 1937 mit dem Titel »The Last Express«. Weitere werden folgen. Kendricks Hauptfiguren: Der erblindete WeltkriegsveteranCaptain Duncan Maclain mit Blindenhündin Schnucke und Polizeihund Dreist. Beides Deutsche Schäferhunde.

Schnucke war eine sanfte gute Blindenhündin, die Maclain ergeben war und für ihn ihr Leben geben würde. Bösartig und angriffslustig war sie allerdings nicht. Dreist war eine Waffe. Er war seinem Herrn genauso ergeben wie Schnucke; aber Dreist war so trainiert, dass er seinen Herrn beschützte. Er war stets zum Angriff bereit und würde auf Befehl seines Herren jeden anfallen. Kein Knüppel oder gezogener Revolver konnten ihn abschrecken.

Kendrick’s Romane über den blinden Detektiv Maclain kommen als Ausnahmeliteratur daher – sie sind beides: spannende Kriminalromane, aber auch sensible Parteinahme für Sehbehinderte. Kendrick holt seinen blinden Protagonisten aus dem literarischen Abseits in den kriminalen Alltag, gibt ihm dort hohe Kompetenz und angemessene Würde. Ebenso wie seinen Hunden. Titel wie »Der pfeifende Henker« oder »Außer Kontrolle« transportieren dieses Anliegen – allerdings eher in den USA als in Deutschland. Hierzulande sind nur wenige Titel übersetzt. Auch das jahrzehntelange praktische Engagement Kendricks im US-Blindenwesen, gerade in der Rehabilitation für blinde Kriegsveteranen, ist weitgehend unbekannt. Was ja nichtso bleiben muss.

»Ich habe einen Privatdetektiv engagiert, Captain Duncan Maclain.«
»Einen Detektiv?«, fragte Bentley erstaunt. »Was ist
mit unserer Polizei los? Kann sie mit einem Selbstmord
nicht allein fertig werden?«
»Maclain ist blind, ich dachte …«
»Blind! Heiliger Moses, Mr. Lawson«, sagte Bentley
vorwurfsvoll. »Das wäre für die Presse ein gefundenes
Fressen. Und was sollen meine Leute und die Kunden
denken, wenn ich hier einen blinden Mann herumführe?«
»Er hat einen Hund!« Lawson zündete sich eine Zigarette
an, um sein Grinsen zu verbergen. »Sie brauchen ihn
nicht zu führen, Carl.«

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird Kendrick weiter schreibend mit seiner Figur Maclain unterwegs sein, sich aber aus gegebenem Anlass auch verstärkt für die von den europäischen und pazifischen Schlachtfeldern zurückkehrenden erblindeten GI’ s engagieren: Der Schriftsteller arbeitet ab 1945 aktiv in der soeben neu gegründeten »Blinded Veterans Association« mit. Inzwischen hat sich Hollywood längst an ihn gewandt und seit 1942 zwei seiner Krimis als B-Movies produziert.
(aus: Detlef Berentzen, "Blindenführhunde - Kulturgeschichte einer Partnerschaft!, Ripperger&Kremers, Berlin 2016)


Buchhändlerkeller
Carmerstraße 1, 10623 Berlin
Freitag 16. 9. 2016, 20.30 Uhr

Seeing Eye Dog
Kulturgeschichten vom Blindenführhund für drei Stimmen und ein Piano

Lesung mit Regina Vollbrecht und Katrin Machel



Verena Bentele, Bundesbeauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung (links)

Ich freue mich, morgen Abend die Jubiläumsausstellung des Deutschen Blinden-und Sehbehindertenverbandes „Helfer auf vier Pfoten - 100 Jahre Ausbildung von Blindenführhunden in Deutschland“ im ‪Kleisthaus‬ zu eröffnen. Zu diesem Anlass ist Autor Detlef Berentzen zu Gast. Er wird aus seinem gerade erschienenen Buch „Blindenführhunde. Kulturgeschichte einer Partnerschaft“ lesen. Um 18 Uhr geht´s los. (Verena Bentele, facebook, 6. Juli 2016)

 

mit Katrin Machel (Zitate)

Schade, Deutschlands Einzug ins EM-Finale wäre das I-Tüpfelchen zu einem sehr informativen und unterhaltsamen Abend gewesen.
Die Ausstellungseröffnung von „Helfer auf vier Pfoten“ war ein voller Erfolg. Hunde, Herrchen und auch unser Autor Detlef Berentzen hatten viel Spaß. Wer nicht dabei sein konnte, um sich auf eine Zeitreise durch das Deutsche Führhundwesen zu begeben, hat noch Gelegenheit dazu: Die Ausstellung des DBSV gastiert bis zum 28. Juli im Kleisthaus. (Verena Bentele, facebook, 8. Juli 2016)

 

mit Sabine Häcker (DBSV)


Blindenführhunde - Kulturgeschichte einer Partnerschaft

Lesung mit Katrin Machel beim Führhundhaltertreffen des DBSV

Foto: DBSV/Ziebe


aus:"Informationen" - Bundesverband evangelische Behindertenhilfe, Dezember 2016