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Christoph Schlingensief bei den Dreharbeiten zu dem TV-Feature "Der Deutsche Schäferhund - 100 Jahre zwischen Gut und Böse"

SWR2
"Wissen"
Dienstag, 17. Januar 2017
8.30 Uhr
Red. Ralf Kölbel
Bester Freund des Menschen
Die Deutschen und ihre Hunde
von Detlef Berentzen

In Deutschland leben mehr als sieben Millionen Hunde: als Familien-, Schoß-, Dienst- und Assistenzhunde, gern auch als letzte Gegeneinsamkeit. Hunderassen und Hundemoden unterliegen aktuellen Trends, die Designs von Hundefutter wechseln ständig und attraktive Vierbeiner träumen längst von einer Modelkarriere. In der Regel gilt: Das Verhältnis zum Hund ist psychologisch eng...und es hat eine hoch interessante Geschichte.

Die historische Entwicklung der Beziehungen von Herr, Dame und Hund spiegelt facettenreich die Veränderung von Moral, Kultur, Zivilisation und Psychologie der Deutschen. Der Hund, seine Zucht, seine Dressur, seine Haltung sind ein veritabler Spiegel gesellschaftlicher Zustände.

Berentzen trifft Menschen und ihre Hunde, erforscht und besichtigt deren Kulturgeschichte und debattiert mit engagierten Forschern.

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Von Fremde. Und Nähe.

„Er kam unerwartet für die Wohngemeinschaft….“ Alle kamen sie unerwartet. Niemand hatte auf sie gewartet. Doch man hätte all die erwarten können, ja müssen, die ein mörderischer Krieg vor sich her treibt. Aber man tat es nicht. Also kommt auch Djadi unerwartet. Keine Eltern, keine Geschwister, voller Angst. Kommt mit den Flüchtlingen, den vielen. Aus Syrien. Und Peter Härtling (s. Foto) entdeckt ihn, schreibt ihn auf. Sein Roman liegt bei unserem Gespräch in Walldorf auf dem Tisch: „Djadi, Flüchtlingsjunge“.

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Ursula Bauer, Schulleiterin, Eduard-Spranger-Gymnasium, Filderstadt

Albtraum Elternabend?
Hörstück von Detlef Berentzen
SWR2
"Wissen"
Samstag, 5. Nov. 2016
8.30 Uhr
Red.: Christoph König

Ob nun "Frau Müller muss weg", "Schlachtfeld Elternabend" oder auch "How to survive Elternabend",  das traditionelle Treffen von Eltern und Lehrern im Klassenzimmer ist derzeit ein heiß diskutiertes Thema - Ratgeber für überforderte Eltern, aber auch für Lehrer fluten den Markt.  Nicht ohne Grund: "Klassenfahrt", "Cybermobbing" oder "Veggie-Day", der Stoff für die Avantgarde streitbarer Mütter oder Väter geht nicht aus. Gleichzeitig bieten virtuelle Elternabende zusätzliche Qualifikationen für die schulische Mitarbeit an. Die Zeiten für Lehrer sind hart geworden. So scheint es.

Detlef Berentzen hat die "Schlachtfelder" in den Schulen besucht, mit Eltern und Lehrern debattiert, aber auch mit den Trendsettern im Lager der "Überlebenstrainer" gesprochen. Nicht ohne soziale Differenzierung. Und immer mit einem Psychologen im Schlepptau.

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Stephan Mayer, Studiendirektor ESG Filderstadt
Stephan Mayer, Studiendirektor, ESG Filderstadt

Elternvertreter ESG Filderstadt
Elternvertreter ESG Filderstadt

 

SchülerInnen ESG Filderstadt
NachwuchsreporterInnen ESG Filderstadt


Was bleibt?
Brief an den toten Vater
SWR2
"Tandem"
Redaktion: Petra Mallwitz
von Detlef Berentzen


"Da ist dieses allererste Foto, auf dem du mich im Arm hältst. Ich bin noch klein, ganz klein, glatzköpfig, du im weißen Hemd, das Gesicht ein wenig aufgedunsen, aber gut rasiert. Ich schaue dich mit gefurchter Kleinkinderstirn blinzelnd an, und auf der Rückseite des Fotos hat Mutter mit blauer Tinte die Frage notiert, die ich noch nicht stellen konnte, aber sie: "Werde ich mal so groß wie Du, Vati?" Damals konnte ich noch nicht wissen, wie fremd wir uns in all dem Nachkrieg einmal sein würden. Wieviel Angst, Kälte, Hass und Gewalt zwischen Vater und Sohn möglich sind. Und wieviel Liebe, die ich dir heute nachtragen will."

Der 63jährige Autor Detlef Berentzen hat sich  immer wieder mit dem Aufwachsen, den Schmerzen und der Revolte seiner Generation beschäftigt. Derzeit schreibt er für sein nächstes Buch einen Brief an den längst verstorbenen Vater. Und kommt ihm dabei überraschend nahe. Nahe wie nie zuvor.

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Letzte Worte
Rekonstruktionsversuch einer Freundschaft
SWR2
"Tandem"
Red.: Petra Mallwitz
Feature von Detlef Berentzen

„Immer wieder hatte er angerufen. Oft des Nachts. Hilflos. Lallte, war verzweifelt. Irgendwann wollte ich nicht mehr zuhören, wußte keinen Rat mehr, machte mich rar und plötzlich diese Nachricht: Wilfried ist tot. Wilfried Bonsack, der Dichter, der Verleger, der Freund.
Seitdem plagt mich dieses verdammte Schuldgefühl, nicht genug für ihn getan, vielleicht sogar ihn verraten zu haben. Vielleicht gäbe es ihn noch, wenn…Oder war all das unausweichlich?“

Detlef Berentzen versucht in seinem Hörstück (SWR2) eine Freundschaft und deren Verlust zu rekonstruieren, berät sich mit Freunden und Kollegen des Toten, versucht mit Hilfe ihrer Erinnerungen zu begreifen, was da trennte, vereinte, was verloren ging. Und was bleibt. 

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Wilfried M. Bonsack


Mit Helmut Pape im Ernst-Bloch-Zentrum (Ludwigshafen)


Der Rausch des Philosophen
Denker und ihre Drogenkultur
SWR2
"Wissen"
Red.: Ralf Kölbel
Hörstück von Detlef Berentzen.

Nicht nur ein begnadeter Denker wie Walter Benjamin suchte zeitlebens „den Rätseln des Rauschglücks“ ganz praktisch näher zukommen. Der Umgang mit Haschisch, Alkohol und anderen Rauschmitteln gehört bis heute zum Alltag von Philosophen. Hielt nicht neulich gerade ein Philosophieprofessor in Bamberg einen Vortrag zum Thema „Rausch und Erkenntnis“ und noch dazu im eigenen „philosophischen Weinlager“.  Und sind es nicht gerade die antiken Philosophen, denen man eine regelrechte „Drogenkultur“ nachsagt, weil ihr Wein regelmäßig mit „psychoaktiven Substanzen“ (Michael A. Rinella) angereichert wurde, um das zu erlangen, was spätere Generationen immer wieder und gern „Bewußtseinserweiterung“ nannten: „Die zentrale Idee der Eliten war es, im Rahmen der Symposien gebührend und weise zu trinken.“
 
Philosophische „Trankopfer“ und Drogengenuß par excellence. Bis in die Neuzeit.
Selbst dem Philosophen Hegel wird nachgesagt, er habe einer Schnupftabakmischung gefrönt, die mit „Cannabis indica“ versetzt war. Die Vor-Denker der 68er-Bewegung  schnupften zwar keinen Tabak mehr, aber auch unter ihnen gab es LSD-Freaks und „Hasch-Rebellen“. Kein Zweifel also: ob der Anstrengung des jeweiligen Begriffs  galt und gilt nicht wenigen Denkern der (vorübergehende) Rausch resp. die Einnahme von Drogen als durchaus erkenntnisfördernd. 

Detlef Berentzen setzt sich auf die berauschende Spur historischer Denker, befragt aktuelle Philosophen nach Rausch und Ritualen und vergisst dabei nicht Erkenntnisse aus Psychologie und Hirnforschung zu berücksichtigen.

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Der Atem der Worte
Peter Härtling über das Schreiben bis an die Grenzen
SWR2
"Tandem"
Red. Petra Mallwitz
Hörstück von Detlef Berentzen

Für ihn ist Schreiben wie Atmen. Das einstige Kriegs- und Flüchtlingskind Peter Härtling sucht in den Figuren seiner Bücher immer wieder neue Gefährten - oft sind es Randständige, Außenseiter. Er schreibt und schreibt und gerät dabei mitunter an das Ende seiner Kraft. Manchmal stockt ihm der Atem, sein Körper rebelliert, es wird eng.
 Im Gespräch mit Detlef Berentzen erinnert sich der Schriftsteller an Grenzerfahrungen, die er durchstehen musste, um ihn nicht zu verlieren: Den Atem der Worte.

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Christian Ströbele


Oma, runter vom Balkon!“
68er: Eine Generation wird alt
SWR2
"Wissen"
Red.: Detlef Clas
Hörstück
von Detlef Berentzen


„Oma, runter vom Balkon! Unterstütz' den Vietcong!“  Wer Ende der 60er-Jahre mit derlei Parolen erstaunte Rentner zur Rebellion aufforderte, wie wird der heute alt? Wie wird jene Generation, die mit Jimi Hendrix und den Rolling Stones groß wurde,  mit dem Alter fertig? I can’t get no, das dürfte heute noch gelten.

Da sind viele, die mit Tränen in den Augen über ihren Rentenbescheid berichten. Altersvorsorge war kein Thema damals. Es galt die Welt zu verändern, Deutschland zu demokratisieren, gegen all den Unfrieden des Nachkriegs aufzustehen -  „Ich hab doch nichts, keine Rente und so weiter!“ (Rainer Langhans). Nicht für alle 68er ist Platz im „Dschungelcamp“ oder in der Gemeinschaft reicher Erben.

Trotzdem gibt es da noch die anderen 68er, jene, die Karriere gemacht haben, in Wissenschaft und Politik.  Hans Christian Ströbele und Kollege Schily werden sich keine Sorgen um ihr Ruhegeld machen, auch der alte Peter Grottian nicht.  Derweil dürfte es bei jenen anderen, die genau wissen: „Wir müssen bis zum Ende arbeiten“, zunehmend eng werden.

Hilfsweise werden hie und da Modelle entwickelt, Projekte der gegenseitigen Unterstützung und Solidarität. Und das politische Engagement findet mit zunehmendem Alter auch kein Ende. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Mit den 68ern wird der Teil einer Generation alt, der viel in diesem Land bewegt hat. Und der längst aus Großmüttern und Großvätern besteht. Interessant genug deshalb,  Protagonisten der Bewegung zu besuchen, um zu begreifen, was von all dem Furor blieb und wie er die Perspektive des Alterns verändert hat - vielleicht. Frei nach dem Motto: „Was wir wollten, was wir wurden!“

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Gerhard Seyfried

Helene Lollo

 


SWR2
"Wissen"
Red. Christoph König

Hermann Hesse und die Schüler
von Detlef Berentzen


"Schreibend der Jugend die Würde zu geben, die ihr im Leben verweigert wurde…." notiert der junge Handke nach der Lektüre von Hesses Erzählung „Unterm Rad“ in sein Tagebuch. Ein durchaus zutreffender Vermerk – zumindest damals, in den 1960er-Jahren, zu deren Anfang ich selbst noch von naziverseuchten Lehrern – ohne das geringste Ansehen meiner Würde  -  durch ein angeblich „humanistisches“ Gymnasium geprügelt wurde, …einem Gymnasium, in dem ein Kriegsgegner und Exilant wie Hesse selbstverständlich kein Thema für den Deutschunterricht war. Und heute? Kann die Lektüre eines „Million-Sellers“ wie Hermann Hesse noch immer junge Menschen bewegen? Nachdem die Hippies längst Geschichte sind und Peter Handke weit über 70 Lenze zählt?

 

Nehmen wir die Schulen. Zumindest einige von ihnen haben sich inzwischen nach Hermann Hesse benannt. Und gerade die, sollte man vermuten, könnten doch Heimstatt und Jungbrunnen für sein Werk sein. Erst recht, wenn es sich dabei um so klassische Bildungsanstalten wie Gymnasien handelt.
Doch es ist wie bei vielen anderen Anstalten, die sich mit berühmten Namen schmücken: Sie machen kein lebendiges Programm daraus, nutzen den Namen für ihre Homepage, aber nicht für den schulischen Alltag. Warum auch? Der alte Hesse ist nicht unbedingt Facebook-kompatibel. Und im Grunde ist er für viele Kids wesentlich: „Old School“! Was zumindest für e i n Hesse-Gymnasium dieser Republik keine Geltung haben sollte: dem im württembergischen Calw, in jenem Städtchen am Rande des Schwarzwalds, das sich, noch gar nicht so lange, als Geburtsort des Dichters ausstellt und deshalb so mächtig herausputzt. Dennoch, es brauchte erst Workshop und Poetry Slam, um dem alten Herrn auf die neue Spur zu kommen.

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SWR2
"Tandem"
Redaktion: Petra Mallwitz

Das Ende der Isolation
Stimmenhörer helfen sich selbst
von Detlef Berentzen

Frank sitzt mit der Gruppe am Tisch und erzählt mir von denen, die ich nicht sehen kann, die aber trotzdem mit ihm sprechen, die er hört, die nur er hört. Von denen, die ihm lautstark zusetzen und ihn immer wieder mal in die Psychtarie getrieben haben. Frank hört Stimmen, die ihn verspotten, die ihm Befehle geben, aber in letzter Zeit haben sie ihm auch schon mal ein „Kompliment“ gemacht: „Hochachtung!“ haben Sie gesagt -  Frank lächelt verlegen. Egal, er hat gelernt mit seinen Stimmen zu leben. Er lernt es noch.

Wenn Frank sich arg auf seine Arbeit konzentriert oder gar meditiert, kann es sogar mal still in ihm werden. Ganz still. Für ein, vielleicht sogar für zwei Stunden. Danach melden sie sich wieder, reale Stimmen, als spräche jemand neben dir. Keine sogenannte innere Stimme, nicht der berühmte „innere Dialog“, sondern Stimmen, nach denen du dich umdrehst, die dich direkt ansprechen, die dir erst einmal Angst, verdammt große Angst machen, denn da ist ja niemand, nichts gar nichts und doch halluzinierst Du  und Du suchst Hilfe. Frank haben sie deshalb mal zwangseingewiesen.

Du findest vielleicht erst einmal nur einen Psychiater, der Dir sagt: „Sie sind schizophren“. Dann wirst Du in der geschlossenen Abteilung der Nervenklinik mit antipsychotischen Medikamenten versorgt und fühlst Dich á la mode Pink Floyd „comfortably numb“.  Und hast jeden Tag mehr Angst zuzugeben, daß Du Stimmen hörst, weil die Medikamente dich so müde und schlapp machen, du stehst neben dir und dein Ich löst sich auf. Du wirst immer weniger.

 

So erzählen es mir die Männer und Frauen, die da mit Frank am Tisch in diesem Neuköllner Souterrain sitzen und die noch viel mehr und oft genug ohne jede Pause hören: Hunde, Preßluftbohrer, ganze Chöre treten in ihnen auf und doch höre ich immer noch nichts und sie checken mich ab: Kann man mit so einem offen reden? Und versteht der, das wir uns hier selbst helfen, hier in dieser Gruppe, in diesem Netztwerk „Stimmenhören e.V., das sogar „Stimmenhörer-Kongresse“ veranstaltet und in dem mit dem Phänomen der Stimmen ganz anders umgegangen wird . Ganz anders.

Nicht nur, daß der bislang isolierte Stimmenhörer, hier Gesprächspartner findet und sich spiegeln kann, nicht länger allein ist. Nein, er findet auch Experten, wird sogar selbst zum Experten in eigener Sache. Arbeitet mit Angehörigen von Stimmenhörern, aber auch mit Psychiatern und Psychotherapeuten zusammen: „Auf Augenhöhe! Und gleichberechtigt!“ Diese Stimmenhörer arbeiten „trialogisch“ und verweisen stolz auf das Vorbild der „Psychoseseminare“, die der Psychologe Thomas Bock einst an der Hamburger Uni ins Leben gerufen hat. Und erfahren dabei en passant, daß auch Jesus, Hildegard von Bingen, Jeanne d`Arc, Gotthold Ephraim Lessing, C. G. Jung und Andy Warhol Stimmenhörer waren. Neben vielen anderen.

Schließlich die Statistik: Viele hören Stimmen, drei bis fünf Prozent der Bevölkerung, doch die wenigstens davon werden klinische Fälle oder reden darüber. Gerade extremer Stress und Trauer sind es, die Stimmhalluzinationen provozieren: Plötzlich steht die Stimme des Verstorbenen im Raum. Auch meine Mutter hat immer wieder meinen viel zu früh verstorbenen Bruder gehört, der nach ihr rief. Ich erzähle das den Stimmenhörern und sie nicken. Frank flüstert, daß es während einer schweren Depression mit heftigen Selbstmordphantasien war, als „seine“ Stimmen zum ersten Mal auftauchten.


Irgendwann, nach mehreren Sitzungen, sind wir uns einig:  Wenn es ein Medium gibt, daß Stimmenhörer und Stimmenhören in eine sinnvolle akustische Dramaturgie setzen kann, dann das Radio. Volià, die Gruppe samt Psychotherapeutin Hoffmann hat beschlossen, daß man mir vertrauen kann. Die schwarzhaarige Frau neben mir berührt plötzlich meine Hand und lacht mir mitten ins Gesicht: „Ich brauche meine Stimmen. Sie gehören zu mir. Sie helfen mir sogar!“ Auch das sollte Thema sein. Unbedingt! Einer Malerin hätten reale körperlose Stimmen sogar wichtige Ratschläge zur Auswahl von Farben und Motiven gegeben, höre ich noch. Und staune….

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Netzwerk Stimmenhören

 

Illustration: Joern Schlund