Musik ist Ausdruck einer Utopie, die ich nicht genau in Worte fassen kann. Das hat ja Ernst Bloch selbst über die Musik gesagt, daß dort etwas zur Sprache kommt, was eben in Worten nicht sagbar ist. Das heißt, die Musik läßt die Utopie offen, wir können sie mit der Sprache nicht, noch nicht begreifen, das ist das eine. Das andere ist aber auch, daß wir uns in den Programmen immer wieder mit sehr konkreten Fragen beschäftigt haben, wir haben Dinge formuliert wie das bedingungslose Grundeinkommen, wir haben gesprochen über politisch-musikalische Initiativen, wie das palästinensisch-israelische Orchester, das es seit elf Jahren gibt und haben das auch in Stücken von uns verarbeitet, indem wir gesucht haben, welche kleinen Schritte, welche gelebten Utopien gibt es schon und versucht, die in eine Chorsprache zu bringen, die dann das Publikum auch annimmt. (Tom Potthast, Ernst-Bloch-Chor, Tübingen)