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Albrecht Metzger

SWR2
"Leben"
17. Okt. 2018
15.05 Uhr
Red. Petra Mallwitz

"Brenne und sei dankbar"
Kreative und das Überleben im Rentenalter

von Detlef Berentzen

Künstler und Autoren führen oft genug ein prekäres Leben, um dann auch noch im Alter mit einer Rente konfrontiert zu sein, die unter der Armutsgrenze liegt. Es braucht Phantasie und Überlebenswillen, um solch ein Finale zu ertragen. Der Titel einer Wanderausstellung markiert die obszöne gesellschaftliche Forderung an die Kreativen dieser Republik: "Brenne und sei dankbar!" Berentzen hat KünstlerInnen und Schriftsteller getroffen, die unsere Gesellschaft mit ihren Gedanken und Werken prägten. Die gegen jede ökonomische Vernunft für ihre Werke brannten und deshalb kaum die Möglichkeit hatten, für ihr Alter vorzusorgen.


 


SWR2
"Wissen"
27. 4. 2018, 8.30 Uhr
Red. Ralf Kölbel

Das Alter und seine Philosophien
Eine Sendung von Detlef Berentzen

Reden wir vom Alter. Vom Altern, von den Alten. Nicht von denen aus der Hochglanzwerbung, den allzeit fröhlichen Konsumenten von Kreuzfahrten,  Windeln und Treppenliften, sondern von den Vielen, die der beschleunigte Alltag einer bunten und digitalen Welt im Grunde nicht länger meint. Reden wir mit den verlangsamten Alten, aber auch darüber, was in aktuellen und historischen Diskursen über sie gedacht wird und wurde.

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SWR2
"Wissen"
17.4. 2018, 8.30 Uhr
Red. Ralf Kölbel

Bester Freund des Menschen
Die Deutschen und ihre Hunde

Eine Sendung von Detlef Berentzen

In Deutschland leben ca. 7,9 Millionen Hunde: als Familien-, Schoß-, Dienst- und Assistenzhunde, gern auch als letzte Gegeneinsamkeit. Hunderassen und Hundemoden unterliegen aktuellen Trends, die Designs von Hundefutter wechseln ständig und attraktive Vierbeiner träumen in ihren Körbchen längst von einer Model-Karriere. Generell gilt: Das Verhältnis von Mensch zu Hund ist psychologisch eng...und es hat eine hoch interessante Geschichte.

Die historische Entwicklung der Beziehungen von Herr, Dame und Hund spiegelt facettenreich die Veränderung von Moral, Kultur, Zivilisation und Psychologie der Deutschen. Der Hund, seine Zucht, seine Dressur, seine Haltung sind ein veritabler Spiegel gesellschaftlicher Zustände.

Ich habe Menschen und ihre Hunde besucht, die Kulturgeschichte dieser Dyade recherchiert und mit engagierten Forschern über Gründe und Abgründe debattiert. Und dabei viel gelernt. Just listen!

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SWR2
"Wissen"
14. April 2018, 8.30 Uhr
Red. Christoph König

"Raus aus der Bildungskatastrophe!"
Eine Sendung von Detlef Berentzen

Es war der in Straßburg geborene Pädagoge Georg Picht, der im Jahre 1964 "Die Deutsche Bildungskatastrophe" in der Zeitschrift "Christ und Welt" verkündete. Pichts Einsatz für eine rasche Bildungsreform der Volksschulen folgte das Engagement des Soziologieprofessors Ralf Dahrendorf: "Bildung ist Bürgerrecht". Es war also nur folgerichtig, so Autor Detlef Berentzen, dass es zu einer Bildungsrevolte kam, die sich schon bald gegen Lateinschulen und Ordinarienuniversitäten richtete - "Unter den Talaren, der Muff von 1000 Jahren!" Das "Aktionszentrum unabhängiger und sozialistischer Schüler" (AUSS) wird als Widerstandszelle etabliert und eine Gründungswelle von "Kritischen Universitäten" (KU) beginnt, ...

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SWR2
"Wissen"
Samstag, 3. März 2018
8.30 Uhr
Red.: Christoph König

Mitdenken, mitbestimmen!
Demokratische Schulen

von Detlef Berentzen

Demokratie gilt als "Auslaufmodell" - der Trend geht zu Intoleranz und Verdrossenheit. Europäische Erziehungs- und Bildungsminister fordern deshalb eine "Verbesserung der demokratischen Kultur an den Schulen". Davon ist wenig zu spüren. Und doch: Freie Alternativschulen haben sich europaweit zusammengetan und den Typus "Demokratische Schule" begründet - mit selbstbestimmtem Lernen und einer Vielzahl demokratischer Einrichtungen. Wissenschaftler unterstützen das Modell und haben sogar ein weiter gehendes Manifest mit dem Titel "Kinderrechte, Demokratie und Schule" verfasst.

Detlef Berentzen hat "Demokratische Schulen" in Deutschland besucht, mit allen Beteiligten gesprochen und die Wissenschaft um Expertise gebeten.

 

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SWR2
"Tandem"
Mi, 14. Februar 2018
10.05 Uhr
Red. Petra Mallwitz

TaskForce gegen Heimkarrieren
Multisystemische Therapeuten im mobilen Einsatz

Von Detlef Berentzen

"Wir haben nur noch gestritten!"- Sveja stieg irgendwann aus: Drogen, Ritzen, Schule schwänzen - ihre geschiedene Mutter war verzweifelt. Die üblichen Hilfsangebote waren wirkungslos, doch dann brachte die gerade neu in Mainz eingeführte „Multisystemische Therapie“ (MST) den Umschwung. Ein mobiles Therapeutenteam ist monatelang rund um die Uhr für betroffene Familien und deren Umfeld im Einsatz und entwickelt vor Ort hilfreiche Strukturen und Regelwerke. Das US-Konzept hat eine erstaunliche Erfolgsquote – Sveja hat jetzt Ziele, ist motiviert zu lernen und sucht inzwischen sogar Rat und Unterstützung bei ihrer Mutter: "Unsere Beziehung ist richtig gut geworden!" 

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Foto: Dagmar Morath

Freitag, 26. Januar 2018
18.00 Uhr
90403 Nürnberg
Haus der Kirche
Burgstraße 1

Blindenführhunde - Kulturgeschichte einer Partnerschaft
Lesung plus Klavier

Im Rahmen der Nürnberger Ausstellung "Helfer auf vier Pfoten" liest Autor Detlef Berentzen aus seinem Buch über die Kulturgeschichte der Blindenführhunde. Der Pianist und Komponist Heinrich Hartl begleitet ihn am Klavier.

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Joern Schlund
9. Juli 1934 (Dresden) - 1. Februar 2017 (Münster)

Nenn mich einfach Schlund!, hast Du mal vor Jahrzehnten zu mir gesagt. Und dann dieser Anruf, dass es mit Dir zu Ende geht. Das musste ein Versehen sein: Du doch nicht! Mit all deinen Farben, den verrückten Ideen, mit Deiner leuchtenden Wut, deinem wüsten Lachen und deiner unendlichen Zärtlichkeit. Wie oft hast Du all das auf Leinwänden ausgestellt, hast uns staunen gemacht, liebevoll provoziert und in den Arm genommen - ein Eigensinniger warst du. Kamst aus Kinder- und Trümmerlandschaften, warst in einer Zeit Kind, als Kienzle deutschen Klang für deutsche Uhren produzierte und der Volksempfänger mit schwülstigen Sprüchen für die Liebe zur deutschen Heimat warb. Da warst du ein deutsches Kind.
Und warst im Grunde immer Kind, weil man zum Kinde doch erst reifen muss. Ein malendes Kind warst du, ein altes Kind, das Zimmer vollgestellt mit Leinwänden, auf die Tische, Stühle, Spielzeuge, Dreifaltigkeiten, Blätter, Kreuze, Frauen, Roller, Hosen, Schuhe, Leitern gemalt waren. Eben alles, was man so braucht. Ein gebrauchter Maler warst du, aber noch viel mehr ein gebrauchter Freund - auch ein gebrauchter Vater und Ehemann.

Immer, wenn sie das wie einen Stich tief im Herzen spürte, nahm seine viel zu große Frau, nennen wir sie Hiltrud, den kleinen Schlund, er war ja wirklich etwas kurz geraten, in die starken Arme und sagte vielleicht liebevoll: „Altes Schwein!“ zu ihm. Vielleicht sagte sie das auch nicht. Wahrscheinlich nicht und niemals. Aber er hätte das gern gehört, genau wie der alte Erich Fried, mit dem er oft genug unterwegs war. Für den und mit dem hat er nämlich Zeichen aufs Papier gesetzt. Damals in London. Als der Fried noch lebte und der Schlund noch rauchte. Später rauchten Schlunds wie er nicht mehr, nie mehr, nur noch ab und zu und nur noch die eine, die letzte. Schlunds gehören zu einer Spezies, an der das wilde Leben hängt und nie mehr loslässt. Selbst, wenn sie irgendwann im Rollstuhl sitzen.

 


 

„Mach Dir meine Erinnerungen selber. Aber so, dass die Funken sprühen“, hast du gelacht, als ich vor mehr als einem Dutzend Jahren ein Buch über dich schrieb, hast noch ein paar letzte Fakten auf den Tisch geworfen und musstest dann schon wieder weiter. Also erfand ich mir schreibend meinen Schlund. Auch. Und spürte dabei, was ihn bewegt. Schließlich waren da seine Bilder, die Zeichnungen, die Bücher, die Materialien. Auch die erzählten. Von einem Leben, in dem einer suchte und manchmal auch fand, immer wieder fand. Auch Farben. Auch.
Einer wie er, schritt durch dunkle Täler,  fand Atem auf lichten Höhen, fiel hin, stand wieder auf, ein kleingeratener alter Wilder, der bis zuletzt die Welt kommentierte und seinen aufrechten Gang bewahrte - in jedem Bild, in jeder Zeichnung, jeder Collage. Schlund war einer, zu dem ich Du sagen konnte. Er war mein Freund!

Aber: Hey, Mann, so einer wie Du verschwindet doch nicht einfach in den Schatten! Nicht nach all unseren Suchen, Versuchen und den langen Nächten voll von Worten und Bildern. Hast das Leben bis an den Rand gelebt – immer wieder neu. Und doch. Es ist vorbei, kein Atem mehr, die Kerze flackert, du mit der grauen Schiebermütze auf dem Kopf, einem roten Schal um den Hals, der dich wärmt und diesem ganz kleinen verschmitzten Lachen im Gesicht.
Eben das bleibt. Und mehr. Immer noch lässt Du die Farben leuchten. Bewohnst Deine Bilder. Wer dich sucht, findet dich genau dort. Heute schon. Und morgen wieder.